Es knarzt, klackert und knistert – und zwar digital. Für Sonae kein Widerspruch. Die Kölner Electronica-Produzentin Sonia Güttler aka Sonae legt zwei Jahre nach ihrem Wald-Techno-Debüt mit der Love-Parade-Gründerin und Alexander-Hacke-Kollaborateurin Danielle de Picciotto ein neues Album vor. »Leise Fäden« ist Güttler zufolge eine »poetische Abhandlung in 8 Teilen«. Das ist präzise, versteht man Poetik als eine Praxis der Nahuntersuchung.
Und tatsächlich, der Ambient auf »Leise Fäden« wirkt, als ob Güttler die »analoge« Aura der digitalen Klänge herausgearbeitet und ihrer Abletonproduktion wie einen wärmenden Mantel umgehängt hätte. Rhythmisierte Field Recordings und Saiteninstrumente formen kurze, wiederkehrende Beatstrukturen, und erzeugen dabei so etwas wie ein flüchtiges musikalisches Interieur. Um diese Elemente, die zufällig zusammengesetzt und genau so zufällig wieder zu zerfallen scheinen, legen sich virtuelle Obertöne wie eine strahlenförmige Korona.
Güttler ist weniger am zeitgenössischen Sounddesign als an den Möglichkeiten einer Organizität des Digitalen interessiert. Sie selbst nennt das die »zärtliche Sezierung unserer heutigen Welt«. Und in diesem hyperbolischen Paradox liegt das Geheimnis ihrer Arbeitsweise: »Sezieren« meint hier Fragmentierung und Wiederzusammensetzung der klanglichen Gegenwart, »zärtlich« dass dabei die klangliche Aura eines Tons unverletzt bleibt. Güttler arbeitet mit Archäologenhandschuhen an der Gegenwart. De Picciottos poetische Einwürfe sind dabei sprachliche Vergrößerungsgläser: »Hörst du sie, die Stille?« fragt sie in einem Stück, und gerade die Abwesenheit von Stille ist die Antwort. So geht Poesie in einer digitalen Welt.
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