Robert Morris

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Robert Morris vs. The Masters of the Universe

Wenn sich Kunstobjekte nur mehr aus dem Flugzeug erfassen lassen, oder man in die Wüste gehen muss, um sie leibhaftig erleben zu können, ist dies einem Robert Morris suspekt. Das Erhabene, Heroische und Schöne lehnt er rigoros ab.

Das „Labyrinth” – dort also, wo der Mensch seine Orientierung verliert – ist ihm Metapher und analytischer Begriff, diese Form von Kunstproduktion in Gegenstellung zu dem zu bringen, was er seit nun mehr einem halben Jahrhundert verfolgt: Eine Ästhetik des Einfachen und Gewöhnlichen. In der Folge Marcel Duchamps „Urinal” formuliert er in seinem Vortrag die Absage an eine Tradition romantisch-monumentaler Kunst, die den Betrachter zu überwältigen sucht. Dabei kommen Kollegen wie Michael Heizer, Robert Smithson und Richard Serra nicht gerade gut weg. Morris nennt sie nach der in den 1980ern bekannten Comic-Reihe „He-Men”. Und analysiert scharf: Heizers Double Mass-„macho-size holes” folgen heroisch einer „shock-and-awe”-Ästhetik. Smithsons Spiral Jetty attestiert er einen Hang zum Vergänglichen, der, aus dem deutschen Romantizismus des 18. Jahrhunderts stammend, einer verborgenen Nazi-Ästhetik verdächtig ist. Serras Sequence ist für Morris typisch amerikanische Kunst, die erst durch „free-market corporate-money power” sichtbar wird und vergleicht die Skulptur in ihrem Überwältigungspotenzial mit Albert Speers Paradeplatz in Nürnberg. „Is the comparison unfair?” fragt Morris.

Mit bissigem Humor teilt da jemand aus, der sich einem Skeptizismus „europäischer Provenienz” verschrieben hat und gerne Ludwig Wittgenstein und immer wieder den bereits genannten Marcel Duchamp zitiert. Die Gestalt eines (Kunst-)Objektes müsse für den Menschen fassbar sein, so Morris. Alles andere folge einem antihumanen Gestus, der sich der menschlichen Wahrnehmung widersetze.
Der studierte Kunsthistoriker Morris versteht es in seinem Vortrag auf luzide und unterhaltsame Weise, einen philosophischen Einblick in die Entwicklung von Minimal und Land Art zu geben. Bereits seit den Sechzigern hat er sich immer wieder mit bemerkenswerten theoretischen Beiträgen zu Bildhauerei und Performance-Kunst zu Wort gemeldet. Dieser Einblick beginnt aber – und das ist dann ebenso typisch amerikanisch wie der von ihm gescholtene Serra – mit den Höhlenmalereien von Lascaux und den Tempelanlagen von Taj Mahal, um dann nach einem wilden Ritt durch die Jahrhunderte bei Prügelknabe Jeff Koons zu enden.

Robert Morris ist einer der großen Intellektuellen in der US-amerikanischen Kunstwelt der Sechziger und Siebziger. Gestalttheorie, Kognitionswissenschaften und Sprachphilosophie gehören zu dem Standardrepertoire seiner Theorie-Bildung. Nach eigenem Bekunden solle man sich aber seinen Kunstobjekten nicht auf dem Kopfwege nähern. Schaden tut es aber sicher nicht. Oder kann man Duchamps Urinal ohne dessen Hinwendung zur Schachkunst verstehen?

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Der amerikanische Künstler Robert Morris (*1931) zählt neben Carl Andre und Donald Judd zu den wichtigsten Vertretern der Minimal Art. Den Vortrag „The Labyrinth and the Urinal” hielt er anlässlich der Eröffnung der Ausstellung „Robert Morris. Notes on Sculpture. Objects, Installations, Films” am 24.04.2010 im Museum Abteiberg, Mönchengladbach.
Das jetzt erschienene Buch enthält erstmals ins Deutsche übersetzte Texte von Morris, die zwischen 1965 und 1993 entstanden sind und führt die Bedeutung von Künstlertexten erneut vor Augen. Morris, so das Übersetzter- und Herausgeberpaar im Vorwort, muß nicht nur als „extrem einflussreicher bildender Künstler, sondern auch als einer der wesentlichen Denker am Ende der künstlerischen Avantgarden der Moderne begriffen werden.”

Erstmals 2010 veröffentlicht auf Eiskellerberg.tv

Das dazugehörige Video: